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»Ohne mich« Esther Schüttpelz

# Das Zitat

»Zum Glück können wir Menschen uns selbst etwas vormachen, sonst wären wir bestimmt alle noch viel gestörter.«

# Der Inhalt

Die Ich-Erzählerin blickt auf eine spontan geschlossene und grandios gescheiterte Ehe sowie ein sinnlos erscheinendes Jura-Studium und versucht, unter Zuhilfenahme von Alkohol, Drogen, Yoga und Affären Klarheit für sich zu finden. Gleichzeitig wirft die Mittzwanzigerin einen unbestechlichen Blick auf das Drumherum, was ihr nicht immer gut bekommt.

# Die Form

Esther Schüttpelz hat die autobiografisch anmutende Form der Ich-Erzählerin gewählt. Mit zum Teil drastischem Sprachduktus und den Zeitgeist aufgreifenden Formulierungen gelingt es der Autorin, die innere Verwirrung durch Formulierungen in die Buchseiten fließen zu lassen.

Die Erzählzeit umfasst im Grunde nur die kurze Zeitspanne von Weihnachten bis Silvester, wohingegen die erzählte Zeit die gesamte Beziehungsdauer und einen Großteil des Jurastudentinnen-Seins aufarbeitet.

Die zwei ineinander verwobenen roten Fäden des Romans sind Ehe und Beziehung einerseits und andererseits das Studium der Rechte. Diese Fäden beschreiben den quasi seelenlosen Titel: ohne mich. Hierbei geht es um Pflichtbewusstsein und Funktion. An diesen Fäden aber verfangen sich wiederum bunte Fusseln, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Der Roman beschreibt die – typisch Mittzwanziger – ewige Suche nach sich selbst, seinen Wünschen und der Sinnhaftigkeit des Lebens.

Im letzten Kapitel bekommt das wankende Selbst der Erzählerin endlich Kongruenz zustande zwischen Innen und Außen, sprachlich kommt sie ebenfalls zur Ruhe. Und erst ganz zum Schluss – im letzten Satz – erhält der anonym gebliebene Ehemann einen Namen.

# Mein Fazit

Wer – wie ich – stets und ständig in Gedanken hin und her und vor und zurück springt, der wird keine Schwierigkeiten haben, Esther Schüttpelz auf ihrer Reise zur inneren Wahrheit zu folgen. »Ohne mich« ist ein mit spitzer Feder komponierter Roman, der im privaten Umfeld der Autorin mit einem fulminanten Tusch eingeschlagen ist, wie ich aus sicherer Quelle weiß. Ihr Debüt auf der Literaturbühne wirft einen wenig schmeichelnden Spot auf Personen der Jurisprudenz, in deren Mitte die Ich-Erzählerin wie ein Paradiesvogel schillert, der sich verflogen hat – privat wie beruflich.
»Ohne mich« ist kein Roman für Jedermann und auch keine leichte Kost zum Wegnaschen.

Claudia Stieglmayr

»Ohne mich« von Esther Schüttpelz
Hardcover Leinen, Diogenes Verlag
208 Seiten
erschienen am 22. Februar 2023, 22 Euro

ISBN 978-3-257-07233-4
Ebenfalls erschienen als Taschenbuch am 25. Februar 2026

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