Beitragsbild für die Rezension zu »Katzenzungen« von Borger & Straub
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»Katzenzungen« Borger & Straub

Dieses Taschenbuch habe ich vor vielen Wochen auf dem Grabbeltisch unserer Stadtbücherei gefunden und ihm für ganz kleines Geld gern ein neues Zuhause gegeben. Es ist übrigens immer eine gute Idee, hin und wieder in Bücherei, Lesehalle oder Bibliothek reinzuschnuppern.

Taschenbuch, Diogenes Verlag, 368 Seiten 
01. Juni 2003, 12 Euro
ISBN 978-3-257-23356-8

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# Das Zitat

»Aber solche Gedanken sind müßig, ich (Nora) bin ich, und sie (Dodo) ist sie, und Claire ist Claire, jede von uns eine in sich abgeschlossene Einheit mit ihrem speziellen Schicksal. Im Grunde sind wir mutterseelenallein. Nicht nur im Tod. Auch im Leben.«

# Der Inhalt

Nora, Dodo und Claire sind Schulfreundinnen, die sich jedes Jahr zu einem Wochenendtrip verabreden. Nora übernimmt hierbei stets Dodos Kosten, denn diese ist chronisch pleite und scheint auch sonst nicht sonderlich viel auf die Reihe zu bekommen. Dafür ist sie aber unheimlich selbstgerecht. Nora hat im Grunde auch nicht besonders viel vom Leben, ihr Hauptberuf ist Ehefrau und Mutter. Beide buhlen um die Gunst von Claire, die schon während der Schulzeit sphärisch unnahbar wirkt und wahnsinnig schön ist. Claire ist sehr ehrgeizig und erfolgreich im Berufsleben, selbstverständlich führt sie eine Kunstgalerie.

In diesem Jahr geht die Reise nach Brüssel, doch im Gegensatz zu früheren Ausflügen geht dieses Mal im Prinzip alles schief. Eifersüchteleien unter den Freundinnen führen zu halb verstecktem Zickengehabe. Jede der drei hat ein finsteres Geheimnis, von dem die anderen beiden nichts wissen. Die eine ist krank, die andere hat jemanden versehentlich getötet und die dritte ist als Kind vom Vater der ersten missbraucht worden. Am Ende ist eine von ihnen tot.

# Die Form

Jede Protagonistin erzählt das Erlebte aus ihrer persönlichen Perspektive in der Ich-Form. Gut gelungen ist es den Autorinnen, jeder der drei Hauptpersonen einen eigenen und unverwechselbaren Sprachduktus zuzuordnen. Davon lebt der Roman und verleiht ihm große Authentizität und erzählerische Wucht.

# Mein Fazit

Ach, na ja, das Thema ist nicht neu. Und was passiert, wenn man Menschen zwangsweise zusammenbringt, wissen wir spätestens seit 1985, als wir Breakfastclub gesehen haben.

Was also, wenn man drei Frauen für ein Wochenende zu einer gemeinsamen Reise zwingt, zu der zwei von drei Teilnehmerinnen gar keine rechte Lust haben? Richtig. Die Schublade »Was ich dir immer schon sagen wollte…« wird irgendwann aufgezogen – und es knallt.
Wussten wir schon. Dieses Thema wurde von diversen Romanen und Filmen aufgegriffen und ist recht abgeschmackt, wie ich finde.

Als Titel wäre »Schlangenzungen« besser gewesen, doch leider gibt es kein entsprechend benanntes Konfekt, welches sich als Leitmotiv geeignet hätte.

Drei Mädchen zusammen – das hat auf Dauer noch nie sonderlich gut funktioniert. Wussten wir auch schon. Deshalb bleiben am Ende vermutlich nur noch zwei übrig.

Dieser Roman liest sich nett, aber er führt nicht zu großen inneren Erkenntnissen. Man kann ihn gut und leicht lesen, die allerbeste Lektüre für den Sommerurlaub am Strand.

Claudia Stieglmayr

Vom Autorenduo Borger & Straub sind außerdem bei Diogenes erschienen:

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