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»Die Elefanten« Sasha Filipenko

# Das Zitat

»›Nur Idioten blicken zurück in die Vergangenhet. Die Elefanten kann keiner verjagen.‹ – ›Und wenn wir uns zusammenschließen?‹ – ›Zum Glück oder leider ist unsere Bevölkerung unfähig zum Schulterschluss…‹«

# Der Inhalt

Eines Tages sind sie da. Die Elefanten. Überall, in jeder Straße, in jedem Wohnzimmer, sei es auch noch so winzig. Niemand außer Pawel scheint sich daran zu stören, niemand außer Pawel, dem Standup-Comedian und Philosophie-Dozenten, macht öffentlich seiner Empörung über die Anwesenheit der Elefanten Luft. Für alle sichtbar, aber kaum jemand nimmt Notiz davon, geschweige denn echauffiert sich darüber.

Pawels Freundin Anna, verwöhnter Sprössling des Schriftstellers Alexander (der seine Frau Sofija als preisgünstige Ghostwriterin verwendet), geht das Fürsorglich-Revoluzzerhafte Gebaren ihres Freundes auf den Keks. Mit sehr unklarem Verhalten unternimmt sie immer wieder Trennungsversuche.

Während die Regierung in Form des Innenministers, aka Max, unehelicher Sohn des Schriftstellers Alexander, das Problem nur zum persönlichen Vorteil verwaltet, macht sich Pawel, der inzwischen wegen Repressalien regierungsseits seine Existenszgrundlagen verloren hat, kundig über die Biologie der Elefanten, um eine echte Lösung zu präsentieren. Währenddessen verstreicht wertvolle Zeit, massenhaft kommen Menschen zu Schaden, die Friedhöfe sind überfüllt.

Pawel hat schließlich eine biologisch-artgerechte Lösung zur Vergrämung der Elefanten gefunden, auch die Anführerin der gigantischen Herde hat er ausfindig gemacht. Leider gerät er in einen vom Innenminister Max ausgeklügelten Hinterhalt und wird schließlich unschuldig zum Mörder der Elefantenkuh erklärt. Nachdem er auf diese miese Weise Pawel ausgeschaltet hat, heiratet Max seine Halbschwester Anna, während Pawel auf seinen absurden Prozess wartet, dessen Urteil »Entmenschlichung« lauten wird.

# Die Form

Einerseits ist »Die Elefanten« ein inhaltlich und zeitlich linear erzählter Roman. Implementiert werden aber scheinbar während des Schreibprozesses ins Internet gespuckte Kommentare verschiedener User – vom von der Öffentlichkeit hofierten Schriftsteller Alexander selbst verfasst. Zudem gibt es streng geheime Ministeriumsnotizen darüber, wie mit dem Elefantenproblem zu verfahren ist. Und drittens finden wir immer wieder kleine Rätselfragen, die auf einer Diogenes-gleichen Postkarte zu lösen sind; das ist der interaktive Teil, der wiederum mit dem für sich von seiner Frau ghostwritenden Schriftsteller Alexander verwoben ist. Seiner Frau gegenüber äußert er die Kreuzworträtselnummer als Idee für einen Roman.

Diese politsche Parabel auf die unempathische, emotionslose Gesellschaft unserer Zeit ist ein experimentelles Stück, gut geeignet für eine moderne Theateraufführung, möchte ich meinen. Mühelos lässt sich das Wort »Elefanten« durch – allgemein – »Problem« oder spezieller »Rassismus«, »Ausländerfeindlichkeit«, »Corona« etc. ersetzen.

So ist dieser Roman, verfasst in der Tradition des in den 50er- und 60er-Jahren berühmten Théatre absurde, eine hochpolitische Parabel, die national und international auf unsere Gesellschaft anwendbar ist.

Die Koseform von Alexander ist übrigens Sasha…

# Mein Fazit

Es hat mich im ersten Fünftel große Mühe gekostet, gedanklich »bei der Stange« zu bleiben. Im zweiten Fünftel war ich endlich »drin«, und den Rest habe ich verschlungen.

Für wen ist dieser Roman? Auf jeden Fall taugt er nicht als leicht verdauliche Urlaubslektüre, das steht für mich fest. Wer Filipenkos »Die Elefanten« anfasst, der sollte ausreichend Zeit für große Happen Text mitbringen und bereit sein, sich auf experimentelle Kost einzulassen.

Claudia Stieglmayr

»Die Elefanten« von Sasha Filipenko
Hardcover Leinen, Diogenes Verlag
256 Seiten
25. Februar 2026, 26 Euro
978-3-257-07373-7

»Die Elefanten« von Sasha Filipenko wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.


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