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»Können Sie mich sehen?« Martin Suter

Die Business Class im Homeoffice

# Das Zitat

»Denn obwohl Schmid ab sofort seine vielen Überstunden sogar noch verdoppelt, während Heller kaum die Bürozeiten einhält, wird dieser der neue Leiter Controlling. Die offizielle Begründung des Assessments: Heller habe seine Work-Life-Balance viel besser im Griff.«

# Der Inhalt

In mal längeren, mal kürzeren Kolumnen nimmt Martin Suter die Manager und CEOs unserer Zeit auf die Schippe. In Zeiten von Corona und Homeoffice ist das karrierefördernde Performen nicht so leicht. Da werden Wohnzimmer umgeräumt, Kinder posaunen karrierekillende Wahrheiten im Online-Meeting heraus, die Technik wird zum Fluch, und der eine Typ im Anzug ist ohne Publikum wahrhaftig arbeitsunfähig.

# Die Form

Diese Sammlung von 45 Kolumnen macht sich auf respektvolle Weise über das Scheitern der Manager und Top-Verdiener lustig. Überaus amüsant, aber nie zum Schenkelklopfen komisch, beschreibt Suter die dramatischen Probleme dieser Kerle. Das ahnungslose Volk (ich) erfährt, wie wichtig Knopflöcher sind, und dass Work-Life-Balance noch nicht jedem bekannt ist.

Martin Suter, von dem ich seit den 1990er-Jahren fast alles gelesen, aber nur wenig besprochen habe, begeistert auch hier wieder mit pointiert verwendeter Sprache; so gute Dialoge können nur wenige Künstler seines Berufsstandes verfassen, das ist die eigentliche Kunst des Schreibens.

Martin Suter sagt selbst im Interview mit der »Zeit« vom 9. April 2026, er schreibe die Kolumnen quasi rückwärts. Das Ende hat er im Kopf und schreibt sich zum Anfang hin, denn: »Es wäre verheerend, wenn meine Geschichten so aufhörten, wie man es anfangs erwartet hat.« Sein Wunsch: Respektvolles Vorführen der CEOs. Ist ihm gelungen

# Mein Fazit

Martin Suter sagt von sich, dass er nichts schreibt, was er nicht selbst gern lesen würde. Ich finde, das ist ein hervorragender Ansatz. »Können Sie mich sehen?« ist ein äußerst amüsanter Zeitvertreib, wie man es von allen Business-Class-Kolumnen gewohnt ist. »Früher hat man sich über den Adel lustig gemacht. Heute freut man sich, wenn den Managern etwas misslingt. Wenn sie demaskiert werden. Wenn man sieht, wie sie in Wirklichkeit sind«, sagt Suter im Interview mit der »Zeit«. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Absolute Leseempfehlung für Menschen, die Häme im Charakter tragen. »Können Sie mich sehen« eignet sich sowohl als Nachttisch- wie auch als Strandlektüre.

Claudia Stieglmayr

»Können Sie mich sehen?« von Martin Suter
Hardcover Leinen, Diogenes Verlag
208 Seiten
25. Februar 2026, 26 Euro
978-3-257-07382-9

Außerdem habe ich von Martin Euter gelesen, geliebt und auf diesem Blog besprochen: »Elefant«.

»Können Sie mich sehen?« von Martin Suter wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.


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