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»Sonnenberg« Brigitte Glaser

# Das Zitat

»Das machte für Johanna die Kraft der Bewegung aus! Leute standen auf, die noch nie in ihrem Leben aufgestanden waren. Leute trauten sich, Themen zur Diskussion zu stellen, Leute merkten, dass sie mit ihren Fragen nicht allein waren, Leute spürten die Kraft der Gemeinschaft.«

# Der Inhalt

Johanna und Luzie sind Sandkastenfreundinnen, geboren gegen Ende der 1950er-Jahre im Weinbaugebiet am Kaiserstuhl. Der Traum, als Studentinnen eine gemeinsame Reise nach Marokko zu übernehmen, zerplatzt, als Johannas Vater plötzlich in seinem Weinberg verstirbt und Johanna das Gut übernehmen muss, nur unterstützt von Mutter und Oma, mit Baby Betty im Bauch.

Luzie reist allein nach Marokko, bleibt ein Jahr dort und wird bei ihrer Wiedereinreise nach Deutschland wegen Rauschgiftschmuggels verhaftet. Sie kommt zwar frei, soll aber als Gegenleistung für die Polizei die gerade im Entstehen begriffene Anti-AKW-Bewegung rund um den Kaiserstuhl ausspionieren. In Wyhl soll nämlich der Bau eines Kernkraftwerks umgesetzt werden. Aus einem spontanen Protest, der brutal niedergeschlagen wird, entsteht eine nicht mehr ignorierbare, massenhafte Protestbewegung, die letztlich erfolgreich sein wird.

# Die Form

Brigitte Gläser nimmt einen historischen Fakt, nämlich den geplanten Bau eines AKW in Wyhl 1975, zum Anlass, einen Roman über Freundschaft, Loyalitätskonflikte, Emanzipation und Solidarität zu weben. Als auktoriale Erzählerin verbindet sie die einzelnen Motive zu einem detailreichen Teppich aus persönlichen Biografien, folgerichtigen Entscheidungen und dem Beginn von etwas ganz Großem – der Emanzipation der Frau.

Die erzählte Zeit umspannt zweieinhalb Monate, vom 10. Januar bis zum 29. März 1975.

Sprachlich ist »Sonnenberg« gut lesbar, wenngleich hin und wieder etwas ungelenk. Dieser Roman setzt wichtige Themen aus den 70ern gut in Szene, sodass jedem Lesenden bewusst wird, wie erschreckend brandaktuell sie noch immer sind. Es ist weder die Frage nach Atomenergie (und dem Endlager) geklärt, noch ist eine echte Gleichberechtigung faktisch erreicht worden. Auch nach 50 Jahren nicht!

# Mein Fazit

Ich hatte ehrlicherweise Anfangs etwas Mühe, in den Roman hineinzufinden. Es lohnt sich aber auf jeden Fall dranzubleiben, denn spätestens nach Luzies Heimkehr in ihr spießiges Adelszuhause derer von Reizenstein wird man förmlich hineingesogen in diesen spannenden Roman, in eine Zeit, in der ich Vorschulkind war. Dass damals etwas wirklich Großes begann, ist mir in dieser Form gar nicht recht bewusst gewesen.

Die vielen Kernthemen, die Brigitte Glaser in »Sonnenberg« anpackt, in einem lässig lesbaren Roman verschmelzen zu lassen, ist schon eine beeindruckende Leistung. Dass Alleinerziehende in den Siebzigern skandalös waren und unter Repressalien zu leiden hatten, ist für unsere heutige Gesellschaft zum Glück kein Thema mehr. Und dass es ungefährlicher geworden ist, Zivilcourage zu zeigen, eben auch nicht.

# Für wen ist das was?

Wer zu den Wurzeln der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Emanzipation der Frau einen unterhaltsame Geschichte lesen möchte, der ist mit »Sonnenberg« gut bedient. Brigitte Glasers Roman ist auf jeden Fall auch als Urlaubslektüre geeignet.

Claudia Stieglmayr

»Sonnenberg« von Brigitte Glaser
Hardcover, Ullstein
448 Seiten
30. Juli 2026, 23,99 Euro
978-3-471-36079-8

»Sonnenberg« von Brigitte Glaser wurde mir freundlicherweise vom Ullstein-Verlag zu Rezensionszwecken kostenlos als E-Book zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.

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