»Himmel ohne Ende« Julia Engelmann
# Das Zitat
»›(…) Ich bin nicht auffallend schön und kenn mich nicht Käsesorten aus oder mit Amerika oder Theaterstücken. Ich bin ein Feigling, wenn ich bleibe, und ein Feigling, wenn ich gehe, ein Feigling, genau wie mein Vater. Ich hab keine Prise Ich. Ich bin ein Mond, der jemanden zum Leuchten braucht. Ich bin zu still, zu dumm, zu komisch. Ich kann immer noch nicht zwinkern. Himmel, ich hab noch nicht mal ne Zahnspange, die ich rausnehmen könnte, so langweilig bin ich.‹«
# Der Inhalt
Die fünfzehnjährige Charlie ist eine schüchterne Einzelgängerin. Charlie ist wie viele Mädchen in der Pubertät. Sie vermisst ihren Vater, hängt an ihrem Meerschweinchen, ihrer Oma, ihrer Freundin Kati und ist in Mikolaj verknallt. Ihre Welt gerät ins Wanken und verdunkelt sich, als Oma und Meerschweinchen sterben, die beste Freundin auf einmal mit der doofen Sofia befreundet ist und sich außerdem den Mikolaj angelt. Und obendrein schleppt ihre Mutter einen Mann in die Wohnung, von dem sie alsbald ein Kind erwartet. Diese und andere kleinere und größere Katastrophen lassen Charlies Welt immer dunkler werden. Einziger Lichtblick ist ihr Freund Pommes, mit dem sie auch über die unsichtbaren Dinge der Welt reden kann.
# Die Form
In der Ich-Erzählerin Charlotte, alias Charlie, werden sich viele junge und jung gebliebene Menschen wiederfinden. Julia Engelmann, die seit 2014 der Poetry-Slam-Gemeinde gut bekannt sein dürfte, hat ihren Debütroman so unglaublich authentisch-poetisch geschrieben, dass man immer wieder meint, ihre Stimme zu hören. Kaum vorstellbar, aber fulminant gelungen, hat sie ihre Lyrik in diesen Roman so unglaublich eindringlich und unfassbar intelligent eingewoben, dass man nie mehr zu lesen aufhören möchte.
Die Erzählzeit hangelt sich vom Sommer einer Fünfzehnjährigen zum Sommer einer Sechzehnjährigen. Während dieser Zeit, der vielleicht wichtigsten im Leben eines jungen Menschen, lernt die Protagonistin Charlie unglaublich viel über sich, über das Leben und über Freundschaft.
# Mein Fazit
Ich bin jetzt schon gespannt auf den nächsten Roman von Julia Engelmann. »Himmel ohne Ende« hat mich fasziniert, mich hineingezogen in meine eigene Vergangenheit, in die Gefühlswelt, die mit fünfzehn, sechzehn so durcheinander, aufregend, verstörend und schwierig ist, wie vielleicht nie wieder im Leben.
Für wen ist »Himmel ohne Ende« was? Ich würde sagen, für alle, die mal jung waren oder es noch sind. Durchaus geeignet für den Strandurlaub, für Herbstabende. Man kann den Roman flott weglesen, aber auch mal innehalten, um über die grandiose Poesie der Julia Engelmann nachzudenken.
Claudia Stieglmayr
»Himmel ohne Ende« von Julia Engelmann
Hardcover Leinen, Diogenes Verlag
336 Seiten
23. Juli 2025, 25 Euro
978-3-257-07323-2
»Himmel ohne Ende« von Julia Engelmann wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.
