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»Im Sommer der Wildbienen« Nina Mayen

# Das Zitat

»Ich wusste nicht, wer ich war oder was ich wollte. Meine innere Stimme war zu leise gewesen und ich konnte sie erst nach der Diagnose hören. War eigentlich immer noch dabei, sie zu finden.«

# Der Inhalt

Die Kölnerin Flora ist Autistin und beschließt, es in der Großstadt mit den vielen Menschen, dem Lärm und den sie ständig überfordernden Situationen nicht mehr aushalten zu können, schmeißt ihr Studium und zieht in das Häuschen ihrer Großmutter in der Eifel, im beschaulichen Örtchen Tanningen. Dort hat sie zum ersten Mal im Leben nicht das Gefühl, sich verstellen zu müssen, begegnet warmherzigen, bodenständigen Menschen und findet – wie soll es anders sein – völlig überraschend die große Liebe in Eden, der Tochter der Teeladenbesitzerin.

Ganz nebenbei lernen die Lesenden ein wenig über die Bedeutung der Wildbienen für unsere Umwelt und erhalten einen Einblick in das schwierige (Über-)Leben einer Autistin in unserer Welt, die auf die Mehrheit der neurotypischen, »normalen« Menschen ausgerichtet ist.

# Die Form

»Im Sommer der Wildbienen« ist linear durch die Ich-Erzählerin Flora erzählt. Die Sprache ist fein, elegant und schlank, die Arbeit des Korrektorats hervorragend, ich habe praktisch keine Fehler gefunden, nur mit der Zeichensetzung bei Aneinanderreihung von Hauptsätzen war ich hin und wieder nicht ganz einverstanden, aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau.

Die übersichtliche, aber dafür in die Tiefe gehende Anzahl von Motiven: Autismus, sexuelle Orientierung, Familie und Vertrauen.

# Mein Fazit

Ich habe diesen zauberhaften Sommerurlaub-Roman in einem Rutsch innerhalb von 24 Stunden durchgelesen, und ich habe neben meiner Selbstständigkeit im »Strubbelköter®« durchaus noch zwei Kinder, einen Haushalt und drei Hunde zu versorgen. Das ist also an sich schon ein fettes Kompliment, wenn ein Roman mich derart fesseln kann.

Für wen ist das was? Auf jeden Fall für all jene, die die Verfilmungen von Rosamunde Pilchers Romanen mögen, »Im Sommer der Wildbienen« kann ich mir sehr gut als Movie vorstellen. Außerdem ist dieser leichte, aber nicht triviale Roman für alle geeignet, die in ihrem Sommerurlaub zwar gern etwas zum schnellen Wegnaschen lesen möchten, aber nicht auf geistigen Sandbänken stranden möchten. Wer »Brombeerblaue Tage« mochte, wird auch bei Nina Mayens Erstling auf seine Kosten kommen.

Als Enkelin eines Hobby-Imkers muss ich allerdings sagen, dass die Informationen über das Leben der Bienen leider recht dürftig ausgefallen sind, dieses Motiv hätte Nina Mayen gern weiter ausbauen dürfen. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung…

Claudia Stieglmayr

»Im Sommer der Wildbienen« von Nina Mayen
Taschenbuch, Ullstein Taschenbuch
288 Seiten
30. April 2026, 12,99 Euro
978-3-548-07320-0

»Sommer der Wildbienen« von Nina Mayen wurde mir freundlicherweise vom Ullstein-Verlag als E-Book zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.


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