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»Brombeerblaue Tage« Simone Veenstra

# Das Zitat

»Was hatte sie alles verpasst, während sie in ihrem sicheren Ist-Zustand verharrt war, anstatt sich Fragen zu stellen: Wer willst du sein, wer willst du werden?«

# Der Inhalt

Elisa, freiberufliche Landschaftsarchitektin, verlässt Berlin, um auf Rügen Haus, Hof und Hund ihres Vaters Henk zu hüten, während ihr Erzeuger im Krankenhaus ist. Warum sie das macht, weiß sie zunächst selbst nicht, denn sie hegt einen jahrzehntelangen Groll gegen ihren Vater, der die Familie verlassen hat, als sie noch ein Kind war.
Auf Rügen lernt sie faszinierende Menschen kennen, Nachbarn, die Henk offenbar anders sehen als seine Tochter. Die entschleunigende Wirkung der Insel und der immer größer werdende Widerwille gegen die ständigen Nachbesserungswünsche ihres Auftraggebers bringen Elisa dazu, ihr Leben und ihre Einstellung zu ihrem Vater neu zu überdenken.

# Die Form

Die Erzählzeit umspannt einige Wochen, die erzählte Zeit ein ganzes junges Leben bis zum Jetzt. Sprachlich durchaus flott, modern und gut zu lesen.

Zwischen den Kapiteln eingepflanzt sind botanische Klassifizierungen heimischer Pflanzen wie Akelei, Ringelblume, Fleißiges Lieschen, die Pusteblume vom Gewöhnlichen Löwenzahn. Diese interessanten Exkurse unterteilen die Kapitel in Abschnitte.

Dass sich Anglismen (Sinn machen) und die unflektierte Form von »ein oder andere« in die Schriftsprache einschleichen, gefällt mir persönlich nicht so gut, aber als ehemalige Linguistin ist mir bekannt, dass Sprache einem steten Wandel unterliegt. Ich bin sicher, dass das »Pluriusquamperfekt« (»Diese Geschichte hatte sie völlig vergessen gehabt.«) eines Tages in den Duden aufgenommen werden wird. Ansonsten habe ich einige grammatische und orthografische Fehlerchen entdeckt, ohne nach ihnen zu suchen.

Wirklich gravierend finde ich allerdings die schlimmen Dinge, die Augen offenbar so machen können, während meiner Zeit als Lektorin hätte ich mich köstlich darüber amüsiert – und allesamt umformuliert. Hier einige Beispiele aus »Brombeerblaue Tage«: »Marions Augen flitzten über den sichtbaren Teil des Gemäldes, dann zum linken Fenster, wieder zurück.« Oder: »Seine Augen durchmaßen hektisch den Raum, kamen auf ihrem Gesicht zur Ruhe (…)« Und auch, sehr gruselig: »Einen Moment zuckten ihre Augen zum Rückspiegel.« Ganz schlimm brutal: »Manuels Augen bohrten sich in ihre.«

# Mein Fazit

»Brombeerblaue Tage« ist ein klassischer Strandroman, perfekt fürs Urlaubsgepäck. Literarisch ist dieser Roman zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, weil den Lesenden Gedankengänge vor der Lesebrille ausgebreitet werden, aber inhaltlich sind die brombeerblauen Tage durchaus lehrreich und überdies liebevoll gestaltet. Über die Ausstattung des Hardcovers kann ich nichts sagen, der Roman lag mir als E-Book vor.

Was mir sehr gut gefallen hat: »Brombeerblaue Tage« kommt ohne tiergehendes Liebesthema aus, auch die Insel Rügen hat nur eine winzige Nebenrolle bekommen. In diesem Roman geht es um Familie, Familienhistorie und das Zwischenmenschliche, um Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Und ganz nebenbei erfährt man allerlei über Botanik, das ist toll.

Claudia Stieglmayr

»Brombeerblaue Tage« von Simone Veenstra
Hardcover
304 Seiten
15. Mai 2026, 24 Euro
978-3-805-20129-2

»Brombeerblaue Tage« von Simone Veenstra wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als E-Book zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.


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