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»Das Band, das uns hält« Kent Haruf

# Das Zitat

»(…), dann weiß man, dass Edith siebzehn war, als im Jahr 1914 ihre Mutter, und fünfundfünfzig, als 1952 der alte Mann starb, und vierundsechzig, als Lyman 1961 endlich zurückkehrte. Letzten Endes blieb sie ihr Leben lang zu Hause.«

# Der Inhalt

Dies ist die Lebens-Geschichte der Geschwister Edith und Lyman Goodnough, berichtet durch die Augen des Nachbarjungen Sandy Roscoe, der zugleich seine eigene Familiengeschichte erzählt, die untrennbar mit den Goodnoughs verwoben ist, seit Ediths und Lymans Eltern in die unwirtliche Umgebung der Kleinstadt Holt in Colorado gezogen sind, um ihr Glück zu finden.

»Das Band, das uns hält« lässt uns teilhaben am harten Leben auf dem Land, an tragischen Unfällen und führt uns den unbeugsamen Willen der Landbevölkerung eindrucksvoll vor Augen. Aber es erzählt auch vom Zusammenhalt, von Freundschaft und Anständigkeit.

# Die Form

Die Erzählzeit umfasst nur wenige Tage. Der Aufhänger zu diesem Roman ist die Schnüffelei eines aufstrebenden Schreiberlings aus Denver, der auf der Suche nach der Story seines Lebens ist und dabei billigend in Kauf nimmt, eines zu zerstören. Die erzählte Zeit umspannt ein ganzes Menschenleben und mehr. Kent Haruf lässt den indigenen Sandy Roscoe die Lesenden direkt ansprechen, er ist der auktoriale Erzähler im Roman.

Weshalb genau der 80-jährigen Edith Goodnough aus dem beschaulichen Städtchen Holt im us-amerikanischen Colorado der Prozess gemacht werden soll, erfährt man erst ganz zum Schluss. Und ist letztendlich empört, weil man verstanden hat, dass beinahe 80 Jahre Duldsamkeit und unerhörte Leidensfähigkeit zu einem finalen Entschluss geführt haben.

# Mein Fazit

»Das Band, das uns hält« ist eine große, eine großartige Erzählung. Ich wünsche mir, dass sie mit ebenso fabelhaften Schauspielern verfilmt wird wie »Unsere Seelen bei Nacht« mit Robert Redford und Jane Fonda. Während der Lektüre meint man, die staubige Luft der trockenen, von Dürre gebeutelten Landstriche am Fuße der Rocky Mountains einzuatmen, so gestochen scharf zeichnet Haruf mit sparsamen Worten das Bild des Lebens und der Umstände.

Völlig schnörkellos erzählt Kent Haruf das Landleben, wie es nun mal ist: schnörkellos und hart und absolut unromantisch. Ausgezeichnet übersetzt von pociao und Roberto de Hollanda.

Für wen ist »Das Band, das uns hält« was? Für Menschen, die gern Atmosphäre aufsaugen, die den Film »Stand by me« geliebt haben oder die in einer Sinnkrise stecken.

Bernhard Schlink (»Der Vorleser«, »Olga«) sagt über diesen Autor: »Für mich ist Kent Haruf einer der großen amerikanischen Schriftsteller.« Dem ist nichts hinzuzufügen.

Claudia Stieglmayr

»Das Band, das uns hält« von Kent Haruf
Taschenbuch, Diogenes Verlag
320 Seiten
20. August 2025, 15 Euro
978-3-257-24776-3

Außerdem habe ich von Kent Haruf gelesen, geliebt und auf diesem Blog besprochen: »Abendrot«, »Lied der Weite« und »Unsere Seelen bei Nacht

»Das Band, das uns hält« von Kent Haruf wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.


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