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»Bis die Sonne scheint« Christian Schünemann

# Das Zitat

»Nur einmal im Jahr, am ersten Schultag nach den großen Ferien, wenn wir alle voller guter Vorsätze waren, rappelte meine Mutter sich morgens auf und warf sich den Bademantel über. Sie wollte zeigen, dass sie eine gute Mutter war, und uns Kindern ab sofort jeden Morgen ein Frühstück hinstellen, wie die anderen Mütter in der Siedlung es auch taten.«

# Der Inhalt

Es ist die Familiengeschichte der Hormanns, die sich über ein Jahrhundert spannt, von der Kaiserzeit bis in die 1980er-Jahre. Im Zentrum steht die Familie von Daniel Hormann, der 14 Jahre alt ist. Er ist der jüngste von vier Geschwistern. Daniels Eltern sind zwar findig und fleißig, aber keines ihrer Geschäftsmodelle zahlt sich aus, sodass der angestrebte unermessliche Reichtum ausbleibt und die große Pleite von Amts wegen in Form von Kuckucks auf Möbel geklebt wird und schließlich auch das Haus verkauft werden muss.

Die Familie legt Wert darauf, den Schein zu wahren, dass alles in Ordnung ist. Der Grundoptimismus wurzelt in der Generation von Daniels Großeltern, die sich erfolgreich und mit steter Zuversicht durch die schweren Zeiten des Zweiten Weltkriegs gekämpft haben.

# Die Form

Schünemann hat einen interessanten und irgendwie auch folgerichtigen Aufbau seines autobiografischen Romans gewählt: Die Handlungsstränge aus der Geschichte der Großeltern und Eltern laufen parallel zur aktuellen Zeit, sprinten auf sie zu und holen sie zum Ende ein. Während die Geschichte der Altvorderen im Präsens vom auktorialen Erzähler in Form des jugendlichen Daniel berichtet wird, bedient sich die aus der Ich-Perspektive präsentierte Jetzt-Zeit des Präteritums.

»Bis die Sonne scheint« ist sprachlich flott unterwegs, ein moderner, schnörkelloser Stil, der sehr ansprechend ist und sich mühelos konsumieren lässt.

Sehr charmant ist die Idee, zu Beginn eines jeden Kapitels drei französische Vokabeln zu präsentieren, die zugleich schlagwortartig den Inhalt dieses Abschnitts zusammenfassen.

# Mein Fazit

»Bis die Sonne scheint« war für mich persönlich eine Zeitreise in meine eigene Vergangenheit. Christian Schünemann ist nur zwei Jahre älter als ich und lässt sein Alter Ego Daniel die Dinge beschreiben, die es in den 70er- und 80er-Jahren eben so gab, auch Politikgeschichte in Form von am Rande erwähnten Radio- oder Fernseh-Sendungen webt er elegant ein.

Wie Schünemann im Nachwort beschreibt, ist »Bis die Sonne scheint« zum Großteil autobiografisch. Er arbeitet schreibend seine eigene Familiengeschichte auf, was ihm ausgesprochen gut gelungen ist.

# Für wen ist das was?

Meine absolute Empfehlung für jene, die »Generation Golf« von Florian Illies mochten! Für in den späten Sechzigern bis Mitte der Siebziger geborene Menschen, die sich gern an manches aus dieser Zeit erinnern mögen – wie Strumpfhosenblumen und Quality Street. Und natürlich für deren Kinder, die wissen möchten, wie es damals in der Jugend ihrer Eltern so war.

Claudia Stieglmayr

»Bis die Sonne scheint« von Christian Schünemann
Hardcover Leinen, Diogenes Verlag
256 Seiten
26. Februar 2025, 25 Euro
978-3-257-07331-7

Taschenbuch, Diogenes Verlag
256 Seiten
25. März 2026, 15 Euro

978-3-257-24849-4

»Bis die Sonne scheint« von Christian Schünemann wurde mir freundlicherweise vom Diogenes-Verlag zu Rezensionszwecken als Hardcover kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich wird mein Urteil dadurch in keiner Weise beeinflusst.

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