»Mitten im August« Luca Ventura
# Das Zitat
»›Ich weiß nicht, ob dir deine Lage bewusst ist‹, begann Rizzi. ›Jack Milani wurde ermordet, seine Freundin ist verschwunden, und du steigst in ihr Haus ein. Deine Lage, würde ich sagen, ist ziemlich beschissen.‹«
# Der Inhalt
Der erste Mordfall für Enrico Rizzi, Sohn eines Obst- und Gemüsebauern auf Capri, schaukelt mit fünf Messerstichen in der Brust in einem Ruderboot an der capresischen Küste. Gemeinsam mit der kürzlich aus Bergamo nach Capri degradierten Antonia Cirillo macht er sich auf die Suche nach dem Mörder des Industriellen-Sohnes Jack Milani.
Hauptverdächtige ist zunächst die für eine ganze Weile spurlos verschwundene Freundin des Mordopfers, Sofia Polito. Bald aber rückt Praktikumsgeber und Meeresbiologe Vincenzo Taccone ins Visier der Ermittler, denn der scheint ein astreines Motiv für den Mord zu besitzen: Er hat sich gegen ihren Willen an Sofia rangemacht, und Jack droht nun damit, die versuchte Vergewaltigung öffentlich zu machen und seine Karriere für immer zu ruinieren. Am Ende ist – wie so häufig in Krimis – eine Randfigur der Täter, so viel will verraten sein.
Eingebettet in die Ermittlungen zum Mordfall erfährt der Lesende allerhand über Rizzi und Cirillo. Und ganz nebenbei lernen wir auch noch einiges zum Thema Rettung der Weltmeere.
# Die Form
Schlau konstruiert! Ab Kapitel Vier startet ein zweiter Handlungsstrang, schon bald wissen wir, dass es die vermisste Sofia Polito ist, die hier mit sich in Klausur geht und eine Art Tagebuch zu schreiben beginnt. Der erste Handlungsstrang beginnt mit dem Mord, der zweite endet vermeintlich damit. 22 Kapitel später stellt sich heraus, dass das eine falsche Fährte war, man hält noch elf Kapitel Spannung in der Hand, bis der Fall endlich geklärt ist und die Motive Eifersucht und Habgier auf dem Tisch liegen.
Insgesamt spannt der auktoriale Erzähler einen energetisch hochwertigen Spannungsbogen, der es dem Lesenden schwermacht, das Buch aus der Hand zu legen.
# Mein Fazit
Ich bin gar kein so großer Krimi-Fan, wie ich gestehen muss, aber meine im innersten italienische Seele hat sich sehr gern auf diese zauberhafte Mittelmeerinsel mit ihren Bewohnern und Gästen entführen lassen. Mir gefällt die Melange von Privatem der Ermittler und Mordermittlungen sehr gut, außerdem lasse ich mich gern auf falsche Fährten führen. Und weil ich aufmerksam gelesen habe, ist mir auch der Miniauftritt von Heidi Klum und Tom Kaulitz nicht entgangen.
Claudia Stieglmayr
»Mitten im August« von Luca Ventura
Taschenbuch, Diogenes Verlag
336 Seiten
erschienen am 25. März 2020, 16 Euro
ISBN 978-3-257-30076-5
